Gute Bücher 2020

Liebe Leute, das ist mal ein nicht Digitalisierungspost. Es geht ganz schnöde um Bücher, Totholz quasi. Ich hatte mir Anfang des Jahres 2020 das Ziel gesetzt mehr zu lesen. Um Nachvollziehbarkeit dafür zu erschaffen, damit man sich selber „accountable“ halten kann, habe ich mir eine kleine Lesedatenbank gebaut, aus der ich Euch heute meine Top 5 Bücher des Jahres 2020 vorstellen will. Kriterien sind: ich habe was draus gelernt und es war gut geschrieben (aber muss nicht notwendig 2020 erschienen sein). Dabei handelt es sich weitgehend um „fiction“ und non-cyber Sachbücher, da ich mich mit Digitalthemen schon genug im Arbeitskontext beschäftige. 

Jenseits der Zeit. Trisolaris Bd. 3, Cixin Liu

Der erste Tipp ist schon ein Wolf im Schafspelz, weil es natürlich etwas frech ist, den dritten Band einer Triologie zu empfehlen. Ich habe dieses Jahr gesamte Trisolaris Triologie vom chinesischen Sci-Fi Profi Cixin Liu, gelesen und sie ist exzellent. Der dritte Band ist aber meiner Meinung nach der knackigste und wendungsreichste. Während Band 1 und 2 sich teils sehr langatmige und dröge Passagen zum world-buidling erlauben, ist hierbei das Tempo und die Spannung stets sehr hoch. Beeindruckend ist der der Umfang und die Reichweite der Erzählung, sowohl zeitlich als auch räumlich: es geht um galaktische Theoriebildung in Soziologie und Internationalen Beziehungen, sprich wie galaktische Zivilisationen im Kontext gigantischer Entfernungen und physikalischer Begrenzungen miteinander interagieren bzw. Krieg führen. Dabei kommen echt abgefahrene Konzepte zum Einsatz, die ich bisher so in keinem Sci-Fi Epos gesehen habe. Wenn man das Buch gelesen hat, kommen einem Raumkämpfe wie in Star War oder Star Trek absurd simplistisch vor. Weil, mal eben Lichtjahre weit fliegen und dann etwas rumballern, ist im galaktischen Maßstab nicht drin. Denn es vergeht ja unfassbar viel Zeit dabei, wenn man mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist. Definitiv der beste Sci-Fi Roman, der ich in den letzten Jahren gelesen habe (und da waren einige dabei, die es nicht auf diese Liste geschafft haben).

Danke an Daniel für den Tipp!

Das große Buch vom Schlaf, Matthew Walker

Matthew Walker hat mir mit diesem Buch quasi den Kopf gewaschen. Denn es stellt viele Alltagsmythen und dumme Glaubenssätze, die wir in unserer kranken, deutschen Arbeitskultur kultiviert haben, auf den Kopf. Wer dieses Buch liest, wird nicht mehr sowas sagen wie: „ich brauch nur 4h jede Nacht“, „ich kann auch mit wenig Schlaf produktiv sein“, „schlafen kann man, wenn man tot ist“. Schlafmangel ist eine krasse Zivilisationskrankheit die enorme, schädliche Effekte produziert: individuell, in Form von Stress, Konzentrationsschwierigkeiten und steigenden Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch kollektiv: in Form von Verkehrstoten oder sinkender Produktivität, wann immer wir mal wieder die Uhren umstellen. Laut des Autors ist das einer super hirnverbrannte Idee, die sich in jährlichen Sterbezahlen ablesen lässt, weil Leute am Tag nach der Uhrenumstellung mehr Unfälle bauen und Herzinfarkte kriegen. Zudem torpedieren wir die Lernfähigkeit unserer Kinder und auch die Abgabequoten der Landwirtschaft, weil die Kühe da auch keinen Bock drauf haben. Das Buch stellt einmal anschaulich den Forschungsstand der Schlafforschung dar und zeigt, was alles passiert, wenn wir täglich weniger als die 7-8h empfohlenen Stunden schlafen, wenn wir vor dem Schlaf noch einen „Schlummertrunk“ trinken oder immer Vollgas geben und nie abschalten. Zudem beinhaltet das Buch viele Ideen für die Politik: wir brauchen eine Zeit-Governance die besser steuert, wie wir als Gesellschaft Zeit verbrauchen. Kurzum, wir müssen weg vom 9-5 Mantra, wir sollten die Schulanfangszeiten komplett ändern, um die anders eingestellten biologischen Uhren von Kindern und Jugendlichen besser zu berücksichtigen und wir sollten über andere Arbeitszeiten und Ladenöffnungszeiten nachdenken: am besten alles aufeinander abgestimmt, statt des Flickenteppichs, den es heute gibt.

The Happiness Equation, Want Nothing + Do Anything = Have Everything, Neil Pasricha

The happiness equation kann man gut im Verbund mit dem Buch vom Schlaf lesen, denn es fast analog dazu, einmal den Stand der Glücksforschung zusammen (Leute die gut und viel schlafen, sind u.A. auch glücklicher). Der Autor listet einmal Querbeet die Dinge auf, die Menschen glücklich machen und die Lebensqualität erhöhen. Wenn man das zum Maßstab nimmt, schneidet auch hier die deutsche, konservative Arbeitskultur bzw. Sozialpolitik eher schlecht ab. Beispiel: die Ideologie der Bismarck‘schen Rente, die auch unserem Rentensystem noch zugrunde liegt, also das Leben über ackern, ackern und ackern und dann die Kohle im Ruhestand verprassen, macht Leute eher unglücklich. Den Leuten fehlt im Ruhestand oftmals ein Zweck, ein Sinn im Leben und das führt dazu, dass sie abbauen und bitter werden (kommt daher vielleicht die deutsche Blockwartmentalität?). Der Autor liefert aber viele Tipps, wie man das vermeiden kann. Das ist alles keine Rocket-Science und vieles wissen wir instinktiv, sind aber im Alltag oft nicht achtsam genug: nett zu Menschen sein, weniger arbeiten dafür mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen, weniger egoistisch sein, Glück nicht von Erfolg und Ruhm und der fragilen Anerkennung von anderen Menschen abhängig machen und ab und an auch mal die eigenen Privilegien checken, denn uns in Europa geht es besser als den meisten Menschen auf der Welt.

Remote. Office not required, David Heinemeier Hansson, Jason Fried

Das ist quasi das Corona 2020 Buch schlechthin. Es listet auf, warum Informationsberufe genau so gut, wenn nicht sogar besser, im Home Office erledigt werden können. Geschrieben ist das Buch von zwei digital natives und Unternehmern, die mit „business collaboration software“ Geld verdienen. Die bauen also quasi einen Teil der Infrastruktur, die Unternehmen brauchen, um von zu Hause arbeiten zu können. Die Autoren „debunken“ die gängigen Mythen, die insbesondere in der eher konservativen, deutschen Arbeitskultur oftmals gegen das Home Office vorgebracht werden (u.A.: „Alle hängen nur faul auf der Couch rum“, „man braucht Meetings für gute Ideen“, „Büros sind produktiver“, „in unserer Branche geht das einfach nicht“). Es sind in der Regel eher schlechte Manager, Kontrollfreaks, die ihren MitarbeiterInnen kein Home-Office erlauben wollen. Und, es sind oft analoge Organisationen, die die Digitalisierung verpennt haben. Denn eine Arbeitskultur, in der immer alles noch handschriftlich gegengezeichnet, gestempelt und nochmal gestempelt werden muss, tut sich natürlich schwer damit, wenn keiner mehr im Büro ist und Stempeln kann. Die Autoren wagen die These, dass Home Office und eine Dezentralisierung des Arbeitsortes und der Arbeitszeit ein Kernmerkmal der digitalen Wirtschaft ist. Da Deutschland hier pennt, sind natürlich die Vorbehalte gegen diese neue Form des Arbeitens hoch. Das wird langfristig auch Trends wie Urbanisierung und ein Anwachsen der Städte beeinflussen: denn wenn nicht mehr alle in die Ballungszentren ziehen müssen, weil Arbeit überall machbar ist, dann macht das was mit einer Gesellschaft.

1793 (Winge und Cardell ermitteln), Niklas Natt och Dag

Ich mag Schweden. Ich mag historische Romane und ich mag Krimis. Dieser Roman liefert all das. Es ist düster, es ist „gritty“ und man riecht förmlich die Nachttöpfe, die im schwedischen Stockholm während der Turbulenzen der französischen Revolution, morgens auf die Straße gekippt werden. Eine seltsam-verstümmelte Leiche wird aus dem Hafen gezogen und zwei ungleiche, interessante, weil mit Makeln-gekennzeichnete Ermittler machen sich ans Werk. Der eine ist eher der Haudrauf-Ermittler, der andere eher der Akedemiker. Das Prinzip Holmes und Watson kommt hier gut zum Einsatz. Herausgekommen ist eine sehr authentische Geschichte, die enorm viel historische Detailverliebtheit an den Tag legt. Der Autor hat extrem viel zur Geschichte Stockholms und Schwedens, sowie Ränkespiele der Monarchie zusammen getragen und präsentiert das kurz und knackig geschrieben in diesem Buch. Liest sich schnell weg.

Band 2 soll laut Amazon übrigens nochmal das gleiche, aber weniger gut sein.

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