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Kriminalitätsbekämpfung im Darknet. Neue Ermittlungsansätze statt Verbote

Das Darknet ist schon ein geheimnisvoller Ort. Presseberichte beschreiben es oft als einen Sündenpfuhl der Cyber-Kriminalität. Drogenhandel, Auftragsmörder und Hacker tummeln sich dort angeblich ungestört von jeder Polizei. Strafverfolgungsbehörden sehen sich dem Darknet oft hilflos ausgesetzt. In einem neuen SWP-Aktuell entmystifiziere ich das Thema etwas und zeige, dass die Kriminalität in anonymen Netzen gar nicht so gigantisch ist, wie oft angenommen wird. Ich diskutiere zudem die in der Politik häufig gehörte Forderung nach einem Verbot von Anonymisierungstechnologie. Ich halte das für kontraproduktiv da erstens, das Objekt der Regulierung unklar ist. Es gibt nicht nur ein Darknet sondern mehrere. Man verbietet also zwangsläufig legitime Inhalte mit. Zweitens schliesst man sich somit der Denkweise autoritärer Regime in der Internet-Governance an, was auch nicht sinnvoll wäre. Drittens wäre ein Verbot technisch, ohne eine umfassende Überwachungsinfrastruktur wie in China, kaum zu bewerkstelligen. Außerdem ist mit Verdrängungserscheinungen zu rechnen: Kriminelle wandern an andere Orte ab.

Ich diskutiere auch die Ausweitung des Darknet Paragrafen im neuen IT-Sicherheitsgesetz kritisch. Statt neuer Verschärfung der Gesetzeslage wäre effektiveres „capabicity building“ bei europäischen Polizeibehörden der sinnvollere Weg. Spezielle Taskforces bei Europol, bestehend aus Juristen, Kriminalisten und IT-Sicherheitsexperten, zeigen, wie erfolgreich das vorgehen gegen Kryptomärkte heute schon sein kann. Und das nicht trotz Anonymität, sondern wegen ihr. Es muss also mehr Geld in die Ausbildung von Polizeibehörden in IT-Skills gesteckt werden. Das ist langfristig der nachhaltigere Weg, da der weitaus größere Teil der Cyber-Kriminalität im regulären World Wide Web und gar nicht in anonymen Netzwerken stattfindet.

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